Kritische Anmerkungen zum Projekt Kinderhaus 0 – 10 in Hüffenhardt
Beim Kinderhaus-Projekt handelt es sich nach Ansicht des GR u.a. Fachleuten um ein zukunftsweisendes Konzept, dass optimale Bildungschancen durch kontinuierliche Kooperation und umfassende Betreuungsmöglichkeit für Kinder von 0 – 10 Jahren mit optimaler Raumnutzung auch in einem bestehenden Gebäude (GS) her – bzw. sicherstellt.
Sachliche Grundlage all dessen sind die Kinderzahlen und deren Prognose, sowie die Kosten der Sanierung der bestehenden TeKi im Vergleich zum Neubau. Faktisch wird die derzeitige dezentrale Bildungslandschaft in Hüffenhardt und Kälbertshausen damit in einem Gebäudekomplex vereint, die daraus entstehende zentralisierte Struktur der Kooperation soll neuerdings auch einem sog. „Bildungsbruch“ beim Übergang von der TeKi zur GS abhelfen. Die päd. „Verzahnung“ gründet sich somit wesentlich auch auf die bauliche Angliederung der TeKi auf dem Schulhof der im Ortskern gelegenen Grundschule – und wird in diesen Kontext als Standortverbesserung der TeKi im Vergleich zur derzeit „suboptimalen Lage“ im Mühlweg verbucht. Dies wird mithin als Fortschritt ggü. dem bisherigen Ensemble angesehen, wodurch nicht nur das Unternehmen TeKi aufgewertet wird – auch die GS erscheint in dieser Beleuchtung anschlussfähiger für die Anforderungen der Zukunft, welche im Orientierungs – und Bildungsplan BWs bzw. im sog. „Schulanfang auf neuen Wegen“ unausweichlich an beide Einrichtungen gestellt werden. Für die Eltern wird neben den zusätzl. Bildungsangeboten am Vormittag (opt. Bildungschancen) ein erweitertes Betreuungsangebot am Nachmittag geboten – wodurch insbesondere Elternteile in der Familienphase (hs. Mütter) eine verbesserte Ausgangsposition beim Wiedereinstieg in den Beruf erlangen könn(t)en. Die zentralisierte Lage der TeKi ermöglicht es den Eltern zudem das Bringen und Abholen der Kinder ggf. mit vorhergehenden Erledigungen, Einkäufen usw. im Ort zu verbinden, man trifft sich. Diese Zielsetzung und die begleitende Argumentation wirkt, angesichts der aktuellen Kostensituation und der jetzt als abseitig erscheinenden Standorte der bisherigen TeKis, betriebswirtschaftlich konsequent durchdacht und in der räumlichen und päd. Ansicht kundenfreundlicher als das bestehende Arrangement. Inszeniert wird somit eine nahezu ideale Lösung, allerdings mit kleinen Schönheitsfehlern. Hier stellt sich die Frage: Wie sieht das Projekt für die betroffenen Kinder und ihre Eltern aus?
Pädagogische Prämissen:
Kinder eignen sich die Welt in konzentrischen Kreisen mit der Familie im Zentrum ihres Bezugssystems an. Das heißt Spielen, Lernen, Körper - und Raumerfahrung bzw. dessen Aneignung und Erkundung bilden eine sinnlich-rationale Einheit innerhalb derer die Kinder sich verständigen lernen bzw. für die Ordnung der Menschen und der Dinge verständig werden und dabei von prof. Pädagogen und sog. Miterziehern begleitetet / beeinflusst werden. Kinder und Jugendliche lernen sich sozial und kulturell einzuordnen durch soziokulturell verankerte Rituale, Zeremonien und Initiationen an Übergängen wie z.B. dem Eintritt in die TeKi, die Einschulung, den Wechsel auf die weiterführende Schule, der Antritt der Berufsausbildung oder die erste Immatrikulation. Diese bezeichnen Lebensabschnitte mit denen i.d.R. eine Erweiterung des individuellen und sozialen Bewegungsspielraums und ein Rückgang der Schutzbedürftigkeit verbunden ist, auf der anderen Seite entwickelt sich dadurch eine Selbstbewusstheit – die in eine schrittweise Ablösung aus den lokalen und familialen Bezügen in Richtung Selbst – und Eigenständigkeit mündet. In Kurzform drängen Kinder immer über die jeweilige familiäre und institutionelle Betreuung und deren Bezugssysteme hinaus, um zu sich zu gelangen – und reifen vornehmlich an den dabei unweigerlich auftretenden Konfliktsituationen – wenn man sie denn lässt.
Kritikpunkte an der Argumentation von GR / BM, dem baulichen und päd. Konzept.
1. Zentrale Lage und zentralisierte Strukturen sind nicht für alle Beteiligten nur vorteilhaft, zumindest für die Kälbertshäuser Kinder entfällt mit der Schließung die Wohnortnähe und damit entsteht für die Eltern die Notwendigkeit der automobilen Beförderung derselben zur TeKi in Hüffenhardt – diese tendenzielle Abkopplung der Kinder aus ihrem Umfeld, der erhöhte Zeitaufwand und Kosten auf der Elternseite und volkswirtschaftliche Nebenposten tauchen in der rein betriebwirtschaftlich überlegten Rechnung nicht auf.
1.1. Für die Hüffenhardter entsteht mit der an den Schulalltag angepassten und verdichteten Bringezeit der TeKi in der morgendlichen Hauptverkehrszeit an zentralem Punkt ein zeitweilig erhöhtes Staurisiko und Gefährdungspotential, gerade weil die Altersklassen der TeKi deutlich langsamere und unsichere Gangarten besitzen als die Mehrheit der Grundschüler, die wie alle anderen Verkehrsteilnehmer dadurch evtl. ausgebremst werden bzw. darauf verstärkt Rücksicht zu nehmen haben.
2. Die Angliederung der TeKi auf dem Schulhof erzeugt im Tagesablauf und Bewegungsradius aller Kinder notwendig (siehe auch 3.) z.T. restriktive Beschränkungen, einerseits durch ein enges Zeitschema mit verdichteten Bringe - und kuriose Öffnungszeiten der Außengelände für die Kinder - andererseits durch die Zerschneidung des Schulhofes als Beschneidung der Spielflächen beider Einrichtungen. Auf der verbleibenden Fläche können keine raumgreifenden und / oder bewegungsintensiven Spiele mit höherer Teilnehmerzahl stattfinden. Das Außengelände der TeKi verringert sich im Vergleich drastisch, außerdem grenzt es direkt an Anwohnergrundstücke – wodurch Gegenmaßnahmen hinsichtlich Lärmspitzen und evtl. Übertritte erforderlich werden.
2.1. Die bauliche Verknüpfung von TeKi und GS zwingt - jenseits naiver Vertrauensvorschüsse und fruchtloser Appelle an das Wohlverhalten und die sozialen Instinkte von Kindern - zu ständiger Kontrolle bzw. Überwachung der Aktivitäten insbesondere der älteren, i.d.R. den TeKi – Kindern mit Abstand in der körperlichen und geistigen Entwicklung überlegenen, Grundschülern – denn diese regulieren auf nicht immer sozialverträgliche Weise nicht nur untereinander die Rangfolge, sondern auch und gerade ggü. Jüngeren. Hier sind im unkontrollierten Aufeinandertreffen Konflikte vorprogrammiert, die durch präventive Eindämmung bzw. Ausschluss - wie dies in der baulichen Scheidung der Außenbereiche und durch o.g. Zeitschemata geschieht - begegnet werden muß. Im Klartext erfordert die Schutzbedürftigkeit der Jüngeren einerseits einschneidende Restriktionen ggü. den Älteren, andererseits einen hohen Kontroll – und Regelungsbedarf – d.h. u.U. zusätzlichen personellen Aufwand.
2.2. Kritisch wird dies dennoch vor allem in Pausen und der Auflösungssituation nach Unterrichtsschluss bzw. im Nachmittagsprogramm, hier ist für die Jüngeren und Schwächeren die volle Aufmerksamkeit der Fachkräfte und die ständige Überwachung der Ein – Ausgänge gefordert. Auf diesem Hintergrund bevorzugen eine beachtliche Zahl von Fachleuten baulich und sozialräumlich eigenständige Standorte für die Altersklassen 0 – 3, 3 - 6 und 6 – 10, nicht nur weil dort weniger Aufwand getrieben werden muss – hier sind o.g. Beschränkungen weit weniger bedeutsam, d.h. die Fachkräfte sind von deren Überwachung mit Bedacht entlastet - so dass hinsichtlich der Entwicklungsförderung intensiver gearbeitet werden kann. Dazu zählt insbesondere die alters – bzw. entwicklungsgemäße Förderung in den ersten Lebensabschnitten, wo sich Kinder zügig entfalten und unvermeidlich gravierende Unterschiede in den jeweiligen Altersklassen entstehen.
2.3. Die Älteren sind hier naturgemäß eine führende Gruppe, die in damit verbundene Verantwortlichkeiten aber erst noch hineinwachsen lernt. Für Letztere bedeutet die bauliche Angliederung der TeKi eine strukturbedingt latente Forderung nach beständiger Rücksichtnahme auf Jüngere - d.h. u.U. ein Ausbremsen ihrer vitalen Antriebe auf der einen, andererseits kann daraus eine subtile Überforderung entstehen, weil auch Grundschüler eben immer noch Kinder sind, welche die Folgen ihres Tuns nicht voll übersehen können.
2.4.Solches dürfte auch den Einrichtungsleitungen von TeKi und GS bewusst sein, die z.B. in der Essenssituation eine nach Altersklassen geschiedene Einnahme der Mahlzeiten bevorzugen dürften – zumal dieser Bereich ansonsten auch viel zu klein gehalten wäre. Im Klartext werden für die Altersklassen inner – und außerhalb des Gebäudekomplexes nur punktuelle Kontakte und Überlappungen entstehen, die nicht nur zeitweise notwendige und sinnvolle Scheidung der Entwicklungsstufen hingegen vollzieht sich weiterhin in getrennten Einheiten.
3. Problematisch ist dabei auch noch, dass die TeKi mit einem offenen päd. Ansatz arbeitet - d.h. es gibt keine typischen Gruppen – als Rückzugsräume, wodurch das Personal beständig in den Funktionsräumen mit Blick auf die Flure (Aufsicht) präsent sein muss. Daraus ergibt sich insgesamt ein deutlich höherer Aufmerksamkeits – und Regelungsbedarf im Vergleich zu voneinander unabhängigen Standorten – der einige päd. Energie an sich bindet und dadurch die Spontanität und Variabilität erzieherischen Handelns beschränken wird. In der Bilanz ist nicht nur aus Sicht der Kinder, sondern auch für die Fachkräfte im Alltagsbetrieb ein recht hoher Preis für die Angliederung der TeKi an die GS zu zahlen. Dies ist insofern merkwürdig weil das TeKi – Personal mit einigem Recht und Engagement aus dem für offene päd. Arbeit ungünstigen Grundriss und Außengelände am bestehenden Standort herausdrängt und im geplanten Neubau dann doch vom Regen in die Traufe zu geraten droht.
4. Die Angliederung der TeKi an die GS und die angestrebte Verzahnung soll nun noch einem sog. „Bildungsbruch“ beim Übergang von der TeKi auf die GS effektiv vorbeugen – dabei erscheint der bauliche Verbund als eine Art Unterpfand bzw. günstige Struktur für das Gelingen des Vorhabens – was sich von Punkt 2ff aus betrachtet als Überbewertung herausstellt.
Aus der GR/BM-Perspektive erscheint diesbezüglich die Wahl getrennter Standorte von TeKi und GS als hinsichtlich eines Bildungsbruchs eher nachteilig, d.h. die Hüffenhardter Lösung wäre dahingehend optimaler. Das ist nicht nur ein absurder Zirkelschluss, diese Betrachtung bzw. Inszenierung ist bildungspolitischer und pädagogischer Unsinn: Ein Bildungsbruch wird nicht durch getrennte Standorte befördert oder gar erzeugt, eine solche Behauptung ist schlicht falsch bzw. irreführend.
4.1. Ein Bildungsbruch entsteht für Übergangskinder hier vielmehr dadurch, dass insbesondere die päd. Ansätze von TeKi und GS zueinander wenig kompatibel bzw. nicht anschlussfähig sind - darauf haben zudem familiäre Erziehungsstile, die soziokulturelle Umgebung, die informelle Bildungs – und Medienlandschaft u.a.m., d.h. auch die wachsende Versammlung der Miterzieher in den Bildungsbiographien der Kinder erheblichen Einfluss. Der Bildungsbruch bezeichnet also individuell und überindividuell deutlich mehr als hier angedeutet, in der Praxis geht es darum die Übergangskinder von TeKi – Seite aus auf die schulischen Anforderungen besser vorzubereiten – auf Seiten der Grundschule sollen breitere und kindgerechtere Zugänge zu schulischer Bildung geschaffen werden. Dies beinhaltet auch, dass Eltern und sog. Miterzieher in diese Maßnahmen besseren Einblick erhalten bzw. eingebunden werden.
4.2. Soziologisch betrachtet entstehen sog. Bildungsbrüche einerseits durch die Wirkung der zunehmenden Pluralisierung familiärer Lebensformen, der Erziehungsstile, der pädagogischen Ansätze und andererseits durch die quantitativ und qualitativ erhöhte Mit - bzw. Einwirkung der o.g. „Miterzieher“ - nicht nur am Übergang zur Grundschule, sondern an allen bildungsbiographisch entscheidenden Übergängen (wf. Schule, Beruf, Studium). Das Problem besteht letztlich darin, dass das hiesige Bildungssystem bislang zu eindimensional und träge angelegt ist um mit der gesamtgesellschaftlichen Dynamik und Vielfalt der Aneignungsformen und Übergangsverläufe von formal (schulisch) und informell relevanter Bildung Schritt halten zu können. Das ist der Punkt.
4.3. Nicht Flexibilisierung sondern inhaltliche Öffnung tut not. Daraus folgt, dass sog. Bildungsbrüche auch in Zukunft nicht vermieden sondern nur in ihren Folgen für die Einzelnen und die Lerngemeinschaft abgemildert werden können, weshalb z.B. über eine Öffnung der TeKi und GS für neue Lehr – und Lernformen insbesondere bei den Übergangskindern nachgedacht wird. Das hat allerdings eine halbwegs korrekte Einschätzung der heutigen und künftigen Bildungssozialisation von Kindern zur Voraussetzung, wo von einem weiteren Bedeutungsverlust der institutionellen und familiären Erziehung und Bildung ausgegangen werden muss.
4.4. Es gibt neben diesen Bildungsbrüchen in der Verlaufsform auch Bildungsbrüche in der Horizontalen durch die Pluralisierung der Lebensstile und den Einzug anderer Kulturen und Ethnien in die Erziehungs – und Bildungslandschaft, die – wenn sie sich einander nicht öffnen sondern voreinander abschließen – ähnliche Brüche hervorrufen. Hinzu kommen sog. vertikale Brüche, die schlicht durch die unterschiedliche Wertigkeit der Bildungsabschlüsse entstehen - womit hierzulande i.d.R. auch über die Zugänge zu höherer Bildung / Kultur und damit z.B. über den Anschluss an Verhaltenscodes diverser Eliten entschieden wird.
4.5. In der Zusammenfassung kann dem gesellschaftlichen Phänomen Bildungsbruch nicht durch eine lokale und kostengünstige Angliederung bzw. Aufwertung der TeKi entgegengewirkt werden – derartige populistische Versprechungen gehen schlicht am Thema vorbei. Vorrangig geht es darum das hiesige Bildungssystem für die vielfältiger gewordenen Aneignungs –und Verlaufsformen der Probanden zugänglicher und variabler zu machen. Solches wird in erster Linie durch Einlassung, Anerkennung und Umwertung von informellen Lernformen – und prozessen bis hin zu deren Integration in Curriculum und Alltagsbetrieb der jeweiligen Bildungseinrichtungen erreicht. DAVON ist im vorliegenden Konzept und der baulichen Umsetzung am Wenigsten die Rede, was angesichts der Ernsthaftigkeit mit der die Pro – Kinderhaus - Argumentation vorgetragen wird doch einigermaßen verblüfft. Dadurch zeichnen sich in Hüffenhardt Brüche zwischen einer mit Allgemeinplätzen arbeitenden – darin nur formal logischen und somit wenig kindbezogenen - Pädagogik inkl. deren modernistisch - betriebswirtschaftlichen Hinterlegung (insb. BM & Co.) – und einem i.d.F. der Variationsbreite kindlicher Entwicklung näher stehendem „gesunden Menschenverstand“ inkl. seinem eher volkswirtschaftlich-behördenkritisch Grundverständnis ab.
5. Aus der Gesamtansicht der vorgetragenen Argumente von GR / BM tritt nirgends eine halbwegs schlüssige Antwort hervor, die eine bauliche Angliederung der TeKi zwingend erscheinen lässt. Die Erweiterung des Bildungs – und Betreuungsangebots kann z.B. durch Eingliederung eines Schulkindergartens (5-6 J.) inkl. Hortbetrieb in die Räume der Grundschule sehr viel besser, preiswerter (Personalkosten) und inhaltlich wesentlich konsequenter erreicht werden.
Außerdem entfiele das o.g. auf Lärmreduktion ausgerichtete Zeitkorsett inkl. Restriktionen und evtl. verkehrliche Probleme. Damit könnte der – schon vom offenen päd. Ansatz der TeKi – erforderliche Um – bzw. Neubau am bisherigen Standort auch weniger groß angelegt und somit kostengünstiger durchgeführt werden – nur bringt diese Lösung deutlich weniger Publicity…
Das setzt allerdings voraus, dass man bereit ist auf Außenwirkung zu verzichten und sich stattdessen auf die Aufgabenstellung der Verzahnung und inhaltlichen Qualitätssteigerung konzentriert. In Kurzform geht es darum die Kinder mehr zu beachten, statt Beachtung in der Region zu erheischen.
6. Umschlagpunkt: Man sollte sich dann davon verabschieden fortgesetzt geräuschvoll eine Angebotspalette mit ungeklärter Nachfrage zu präsentieren und dabei über deren inhaltliche und organisatorische Schwächen durch wort – und bildreiche Präsentationen, Internet & sonst. Medieneinsatz, eine verhalten tendenziöse Presse und den (vornehmlich die Kosten/Nutzeneffekte des Projekts im Auge habenden) herangezogenen Kommentaren von Behörden und künftigen Trägern hinwegzutäuschen. Die Fakten liegen dementgegen auf der Hand, es geht um die Kinderzahlen und wie mit deren Schwankungsbreite am sinnvollsten – nicht nur am kostengünstigsten – zukünftig umgegangen wird.
6.1. In der Abwägung der päd. Vor – und Nachteile macht eine Angliederung der TeKi an die GS nicht sonderlich Sinn. Das zugrundeliegende Problem zahlenmäßig zu schwacher Geburtsjahrgänge wird dadurch nicht überwunden, nur verlagert. Bei tendenziell unterbesetzten Übergangs – bzw. Einschulungsjahrgänge haben TeKi und GS ähnliche bzw. verwandte Struktur – und Personalprobleme, die sich praktisch nur durch eine Annäherung / Öffnung der päd. Ansätze im Sinne einer kindorientierten „gemeinsamen Linie“ schrittweise lösen lassen. Auch an der GS liegt es nahe die Zusammenfassung nach Altersklassen analog zum „Frühwarnsystem“ TeKi tendenziell aufzulösen – und z.B. altersgemischte Einstiegsklassen und damit eine von gängigen Unterrichtsformen abweichende Methodik und Didaktik einzuführen. Dafür braucht es keine bauliche Angliederung aber verbindliche Gespräche, punktum.
6.2. Hier eignen sich (siehe Zusatzausbildung von Teki-Leitung und GS –Rektorin) reformpädagogische Ansätze wie der von Maria Montessori besonders gut, denn hier ist ein ausgereiftes Instrumentarium für die Vor – und Grundschule bereits entwickelt und seit Jahrzehnten – vor allem bei freien Trägern / Elterninitiativen - erprobt. Folgerichtig ergibt sich hieraus die Option eines inhaltlichen und organisatorischen Zusammenschlusses von TeKi und GS - idealerweise z.B. auf der Grundlage des Montessori – Ansatzes, denn dieser beugt z.B. elterlichen Ängsten vor einer etwaigen Bildungsbenachteiligung des Nachwuchses bei neuen Lehrformen durch eine Vielzahl wissenschaftlich bzw. empirisch belegter Nachweise im Leistungsvergleich mit Regelschulen vor. Warum die Verfasserinnen sich mit ihrem päd. Konzept zwar lokal a.d. Fenster lehnen – inhaltlich aber defensiv bleiben, bzw. einen Rückzieher vor der fachl. Diskussion machen, bleibt ein zu lüftendes Geheimnis.
6.3. Bei näherer Betrachtung vergleichbarer Ansätze und konkreter Beispiele (ggf. googlen) stellt sich nämlich heraus, dass diese eine räumliche und funktionale Trennung der Altersklassen zugunsten einer intensiveren und effizienteren päd.-inhaltlichen mit den Kindern klar bevorzugen. Reformpädagogische Kinderbetreuung und Beschulung hat in dieser Republik eine – abweichend vom bildungspolitischen Mainstream – ungebrochen lange und vergleichsweise erfolgreiche Tradition, insbesondere in der z.T. hoch entwickelten Kooperation von TeKi – und daran anknüpfender GS – Pädagogik. Daneben zeigt sich, dass diese Einrichtungen viel Wert auf die Qualität ihrer Räumlichkeiten und die großzügige und altersgemäße Gestaltung ihrer Außengelände legen und eine klare Definition der Bewegungsbedarfe von Kindern und der von diesen bespielbaren Flächen besitzen. Diese geht sehr bewusst z.T. weit über die Mindestempfehlungen von Behörden bzw. Gesetzgeber hinaus.
7. Das Grundproblem beim päd. Konzept aus Hüffenhardt besteht demgegenüber in der Abstraktion von diesen Vergleichsebenen mit anderen Beispielen bzw. Konzepten. Somit ergibt sich eine Binnenperspektive, die nur die Vorteile für die eigene Klientel aufsummiert – d.h. nur hinsichtlich der Kinder betrachtet, die sich in die TeKi/GS – Angebote und engen Regelwerke reibungslos einreihen lassen. Was bleibt aber für die, die von den Angeboten am Nachmittag z.B. aus finanziellen Gründen nicht erreicht werden – oder als Übergangskinder zur weiterführenden Schule inhaltlich kaum noch am vorgenannten Angebotszuschnitt auf die 5 – 6 und 6 – 10 Jährigen interessiert sind? Nehmen wir mal für einen längeren Moment deren Perspektive im Sinne einer konkreteren Sichtung der Rückseiten des Angebots ein:
7.1. In dem Zeitfenster von 15.30 – 17 Uhr sind Grundschüler die nicht an diesem Programm teilnehmen daheim mit Essen und Hausaufgaben i.d.R. fertig – diese können sich dann weder (wie das häufig bei Dritt / Viertklässlern zu beobachten ist) auf dem Schulhof zum Spiel untereinander (d.h. ohne Aufsicht und ohne deutlich jüngere Kids, aber in einer vertrauten und informell beaufsichtigten Spielumgebung) verabreden, noch an den evtl. für diese Altersgruppe u.U. attraktiven Angeboten teilnehmen – denn das wäre wieder eine Störung, das andere wie gesagt kostenpflichtig. Gibt es in Hüffenhardt wirklich keine Kinder und/oder Jugendliche, die sich bislang nachmittags auf dem Schulhof verabredeten, um sich diesen anders als im Pausen/ Regelbetrieb anzueignen und sich im Weiteren auch davon abzulösen, bzw. von diesem Treffpunkt aus ihren Exkursionsradius zu erweitern?
7.2. Das vorliegende Konzept läuft auf den Ausschluss dieser „grenzgängigen“ (weil i.g.S. selbständigen und mobilen) Kinder oder eben eine ganztägige Betreuung für Alle hinaus, welche aber nur Sinn macht wenn dieses verbindlich – und damit alles andere als flexibel - ist. Die Frage ist zudem, ob es überhaupt eine Ausweichspielfläche für diese Kinder im Ortskern gibt – oder ob diese dadurch nicht evtl. in die Grünzone am Mühlweg als verbleibendes Spielterrain und Treffpunkt außerhalb der optionalen Einsichtsmöglichkeit von Erwachsenen auf dem Schulhof abgedrängt werden.
7.3. Das mündet in die Frage, ob Kinder die – z.B. aus finanziellen Gründen - nicht am Nachmittagsprogramm von TeKi und GS teilnehmen, hierdurch evtl. ausgegrenzt und – soweit hier neben der Betreuung getreu des obigen Deutungsmusters auch Bildungsinhalte angeboten werden, davon eben nicht profitieren können und somit tendenziell „abgehängt“ werden. Damit würden, entgegen der beabsichtigten Förderung und präventiven Egalisierung von Bildungsrückständen (z.B. aufgrund der sozialen Herkunft), die bestehenden Abstände eher noch vergrößert und verfestigt – was wieder Kompensationsangebote nach sich zieht.
8. Auffällig ist zudem, dass in der Aufführung der Angebote keine Option auf Exkursionen bzw. Ausflüge auftaucht – alle Angebote sind in der durchpädagogisierten Umgebung angesiedelt, was auf eine angebotsorientierte Binnenperspektive der Pädagogik verweist. Eine derartige Sichtweise hat sich schnell von der Lebenswelt / Situation der Kinder (und der päd. Auseinandersetzung damit) zugunsten von formalen Bildungsabsichten abgesetzt: „Mit allem Tun ist Bildung verbunden“ bedeutet im Kontext des Bildungsverbunds von TeKi und GS eine Ausrichtung und Verengung der Handlungsorientierung von Kindern auf die angestrebte Bildsamkeit.
8.1. Das o.g. geht an dem Faktum vorbei, dass kindliches Handeln in erster Linie auf eine (Raum) Aneignung der Welt im Spiel gerichtet ist, worüber sie sich eigene Antworten auf für sie relevante Fragen und eigene Spielregeln geben und deren Gültigkeit im Weiteren erproben. Solches entwickelt sich bei getrennten Standorten z.B. auf dem Weg von der TeKi zur GS und zurück (auf versch. Wegen und Umwegen) für die Übergangskinder 5 – 6 quasi naturwüchsig. Was sich da einerseits als Raumerkundung darstellt, ist zugleich Verkehrserziehung und lokale (Selbst) Orientierungssuche - wobei sich u.a. der Stadtplan und die Häuser bzw. Adressen der Gefährten in den Horizont der Kinder quasi im Vorbeigehen einschreiben. Dies bildet dann z.B. eine Vorstufe zur kommenden eigenständigen Bewältigung des Schulwegs – als einen der zahllosen Laufwege, die ein Kind sich einzuprägen lernt.
8.2. Bei einer Zusammenlegung der Einrichtungen entfällt dieses tastende (Ver) Suchen im lokalen Raum weitgehend, denn es besteht keine sachliche Notwendigkeit das Kinderhaus zu verlassen um z.B. die entfernte GS als kommenden Lebensabschnitt aufzusuchen. Damit wird auch die Wertigkeit des Initiationsritus Einschulung gemindert, es gibt ja keine neuen Wege zu erkunden bzw. Distanzen zu überwinden und neue Kontakte zu knüpfen (s.o.). Vermutlich wird ein solches Komplettangebot auch zu einem wachsendem Anteil von Kindern führen, die frühmorgens mit dem Auto gebracht und am späten Nachmittag damit abgeholt werden – was neben dem Verkehrsaufkommen auch den Verlust von direkter Raumerfahrung (und damit latent erhöhter Gefährdung im Verkehr) bei den Betreffenden nach sich zieht.
9. Da die Auswahl an halbwegs gleichaltrigen Spielgefährten in Hüffenhardt nicht sehr groß ist, müssen Kinder ohne nachmittägliche Betreuung in der TeKi ihre Freundschaften zudem durch Besuche in derselben aufrecht erhalten oder auf diese verzichten. Das ist zwar kein Problem für die TeKi und GS – aber für die Kinder häufig existenziell wichtig. Das wird offenbar nicht gesehen, dabei gibt es Konzepte in denen dieses Problem z.B. durch Verabredungstage zwar nicht gelöst aber immerhin eingeordnet wird.
9.1. Nebeneffekt jeder Ganztagsbetreuung ist im Klartext die Abwesenheit von außerinstitutionellen Verabredungsoptionen, deren Quote damit u.U. für etliche Kinder zu einem Einbruch in ihrem Kontakthorizont führt. Daraus entsteht die kritische Frage, wie der TeKi / GS – Verbund mit evtl. „Besucherkindern“ künftig umgeht: denn es ist ja durchaus möglich, dass ein zuvor lebendiger Kontakt daran scheitert, dass ein Kind ganztags betreut wird und das andere nicht.
9.2. Das zentrale konzeptionelle Problem besteht im Kern darin, dass die anvisierte Ganztagsbetreuung unverbindlich und privatwirtschaftlich geregelt ist, dadurch entstehen auf kleinstem Raum mindestens zwei scharf voneinander geschiedene Gesellschaften und Geselligkeitsformen unter den Kindern von Hüffenhardt. Ich kann nicht glauben, dass die Eltern, Großeltern und alle die über (eigene) Kinder und Kindheit nachdenken eine solche Entwicklung befürworten – weil damit die Gemeindekasse, aber nur vielleicht, etwas mehr geschont würde.
10. Die Rechnung von GR / BM & Co. geht nur auf, wenn genügend zahlungskräftige Eltern ihren Bedarf anmelden – und möglicherweise wenig später einen Rückzieher machen, weil sie binnem kurzem feststellen müssen, dass ihr Kind im der GS angegliederten Kinderhaus 0 –10 zwar bestens behütet, aber alles andere als glücklich ist. Und dann?
v.i.S.d.P - Holger Eggers (Autor und Co-Autor der päd. Fachliteratur)